() Leeranstalt Oldenburg

1. Mai

uns gefiel die gestrige 1. Mai Demonstration in Oldenburg, bis auf das übergriffige Verhalten der Polizei, sehr gut. Die Stimmung war super, das Wetter auch. Sie war gut besucht und es gab schön viel Input. Einen ausführlichen Bericht gibts bestimmt bald hier.
Hier unser Redebeitrag, den wir am Haus Friedensbruch gehalten haben:

Liebe Leute.

Die Möglichkeit heute von diesem Balkon sprechen zu können hat uns dazu inspiriert einen Beitrag über Richtig- und Wichtigkeit von Hausbesetzungen zu schreiben.

Aus unserer Sicht hat dieses Thema in unserer Stadt eine starke Präsenz. Es herrscht Wohnungsmangel. Eine ein bis drei Zimmer Wohnung zu finden wird immer schwerer. Die NWZ berichtet von etwa 2800, die Linkspartei sogar von ca. 5000 Wohnungssuchenden auf der GSG-Warteliste. Dies zeugt bei einer Leerstandsquote von weniger als 1% von akuter Wohnungsnot. Auch seien die Mietpreise seit 2006 um 14% gestiegen, berichtete die NWZ im August 2011. Oldenburgs Preiszuwachs sei der siebtgrößte in Deutschland. Dennoch sehe Ober-Bürgermeister Schwandner Entspannung. Er prognostiziere einen Zuwachs von bezahlbarem Wohnraum.

Trotzdem ist kein größeres Engagement, seitens der Stadt, zu erkennen, seine Prognose umzusetzen. Im Gegensatz zu Projekten wie zum Beispiel den Schlosshöfen, bei denen ein rasches handeln zu beobachten war. Auch hat es den Anschein, der Ober-Bürgermeister halte nach wie vor am Bau der ohnehin schon auf ein Minimum zusammengestrichenen Hafenstadt fest. Für dieses Projekt hatten im Vorfeld im letzten Sommer diverse Werkstätten, die Konga-Bar sowie die Blauflüglige Ödlandschrecke vom Gelände der Deutschen Bahn weichen müssen. Auch eine Räumung der Wagenburg war zu einem früheren Zeitpunkt im Gespräch. Um Luxuswohnraum zu schaffen nimmt Schwandner billigend in kauf, alternativen Wohnraum sowie kulturelle Begegnungsstätten zu zerstören.

Natürlich ist das Problem Wohnraummangel nicht einzig auf das Fehlen von bewohnbarem Raum zurück zu führen. Ebenso ist es Resultat des spekulativen leer stehen lassens einer ansehnlichen Zahl von Immobilien. Diese stehen wie die Vergangenheit zeigte häufig unter Denkmalschutz und dürfen somit nur abgerissen werden, wenn sie zum Beispiel Einsturz gefährdet sind. Mit anderen Worten: gezielter Verfall zwecks neu Nutzung der Fläche. Hierbei geht nutzbarer Wohnraum verloren. Versuche solch verfallende Häuser zu nutzen, zu bewohnen und zu alternativem Lebensraum umzugestalten werden fast immer durch die Repressionsorgane verhindert. Es werden einzelne Spekulanten unterstützt und soziale Nutzung verhindert. So geschehen in der Osterstraße im Oktober 2009.

Die Schaffung von alternativen Lebensräumen ist unserer Meinung nach wichtig, da es Mensch möglich sein sollte, das eigene Leben selbstbestimmt und ohne Konsumzwang zu leben. Wir denken, dass es wichtig ist sich gesellschaftlich integrieren zu können abseits von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwängen, bei denen meist das Einkommen die Unterschiede definiert. Alternative Räume greifen hier, da es in ihnen möglich ist, Konsumunabhängig ein soziales Leben zu führen. Der Aufenthalt in der Kneipe/im Café verpflichtet dort nicht zum Konsum. Des weiteren kann Mensch sich dort bewegen ohne aufgrund der Erscheinung, des Geschlechts oder der Herkunft diskriminiert zu werden.
Solche Räume tragen zu sozial verantwortlichem und emanzipatorischem Umgang miteinander bei und sind somit unverzichtbar.

Einige Ansätze solcher Art gab es in den vergangenen Jahren in Oldenburg. Diese wurden häufig durch ein martialisches Polizeiaufgebot beendet. Wie zum Beispiel in der zuvor erwähnten Osterstraße. Dort rückten nach fünf tägiger Besetzung und erstatteter Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs 90 schwer gepanzerte Beamt_Innen, eine Hundestaffel und der Technikzug aus Braunschweig an um gegen insgesamt fünf Besetzer_Innen vorzugehen. Auch bei der Besetzung der Amalienstraße, heute vor zwei Jahren, gingen die Bullen mit unverhältnismäßiger Härte vor. Nachdem sie das Straßenfest abgeräumt hatten räumten sie das Haus im Rekordtempo.

Auch das Haus Friedensbruch hatte gewisse Startschwierigkeiten. Nach der ersten Besetzung im April letzten Jahres lies das Räumungskommando nur drei Tage auf sich warten. Doch die Besetzer_Innen ließen nicht locker und nach der zweiten Besetzung am 14.Mai etablierte sich ein kulturelles Wohnprojekt, welches nun seinen 1. Geburtstag feiert. Dieses ist mittlerweile gesellschaftlich so sehr akzeptiert, dass es, nebst einiger Ausstellungen, Austragungsort einiger im Rahmen des Zwerkwerks gezeigter Kurzfilme war. Solche Projekte verschandeln nicht das Antlitz der Stadt. Im Gegenteil, sie bereichern es, und das wird hoffentlich auch dem letzten Stadtratsmitglied klar werden.

Das jüngste Hausprojekt, die Leeranstalt, welches wir am 5.April besetzt hatten und welches die Stadtverwaltung noch am selben Tag räumen lies, hat ebenfalls beschlossen weiter an seiner Realisation zu arbeiten und nicht aufzugeben. Unser Kollektiv, bestehend aus jungen und jung gebliebenen Menschen hatte die leer stehende Grundschule in der Ekkartstraße in Osternburg bezogen, um nicht länger über die Hälfte unserer Einkünfte für ein meist viel zu kleines Zimmer ausgeben zu müssen. primär wollten wir jedoch einen unkommerziellen Wohnraum schaffen, in welchem Menschen selbstverwaltet und solidarisch miteinander leben können und die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen gemeinsam nutzen. Das Projekt Leeranstalt soll jedoch nicht nur als Wohnraum dienen. Es soll auch Ort für alternative Freizeitgestaltung sein, die untere Etage soll als öffentlicher Raum für kleinere Veranstaltungen etc. dienen.

Das Schulhaus, welches 1908 erbaut wurde, stand seit 2009 leer, ist noch in einem nutzbaren Zustand und beginnt langsam zu verfallen. Die in der obersten Etage befindliche ehemalige Hausmeisterwohnung ist in einem bezugsfertigen Zustand. Sie bietet Platz für etwa 3 Personen. Auch ist sie mit sanitären Einrichtungen und einer Küche ausgestattet. Die Etage darunter verfügt über 2 große sowie ein kleines Klassenzimmer. Diese Räume könnten gut und gerne 4 weitere Personen beherbergen.

Nach der Räumung ließ die Stadt die komplette untere Etage des Gebäudes vernageln. Als erste Reaktion auf die Räumung gab es am darauf folgenden Dienstag eine Demonstration bei der ca. 60 Personen vom Lefferseck durch die Innenstadt und die Schlosshöfe zum Alhambra zogen. Ein für den 22.April geplantes Nachbarschaftstreffen musste aufgrund eines acht köpfigen Bullenaufgebots zum Osternburger Markt verlegt werden und blieb bescheiden erfolgreich.

Der Stadt scheint sehr viel daran zu liegen das ehemalige Schulhaus auf jeden Fall dem freien Markt zuzuführen. Baudezernentin Gabriele Nießen kündigte in der NWZ einen Bieterwettbewerb an. Dass ein solcher eine soziale Nutzung ausschließt ist in der Vergangenheit mehr als ein mal bewiesen worden.

Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, von dieser Art von provitorientierter Stadtentwicklung abzulassen und eine tatsächliche Alternative zu Wohnungsnot und isoliertem Stadtrandwohnen zu schaffen. Die Stadt muss sich zugunsten des Menschen und nicht der Wirtschaft entwickeln.

Wir können uns Immobilienspekulationen nicht mehr leisten.

Wenn Wohnungsnot ein Problem ist, dann ist Leerstand ein No-Go.

Nachbarschaftstreffen

Liebe Nachbar_Innen, liebe Sympatisant_Innen,

Wie im Vorfeld angekündigt, haben wir heute (22.04.) versucht an der alten Grundschule in der Ekkardstraße ein nachbarschaftliches Kuchenessen zu veranstalten.
Als um 15:30 mit der Umsetzung begonnen werden sollte, wurden die Aktivist_Innen vor Ort direkt von vier Beamt_Innen in Zivil sowie zwei Streifenwagenbesatzungen angesprochen. Da sich bis zu sieben Beamt_Innen vor Ort befanden und mit einer produktiven Entwicklung nicht zu rechnen war, entschlossen wir uns das Kuchenessen kurzer Hand auf den Osternburger Markt zu verlegen. Das Angebot ging von Kuchen über Informationsmaterial, Jonglage und Slackline bis hin zu Kinderschminken. Es herrschte reger Andrang bis wir gegen 17:30 wegen des starken Regens das Feld räumten.
Auch in der Zukunft wird es weitere Aktionen und Veranstaltungen zu Gunsten der Leeranstalt geben.

Achtet auf weitere Ankündigungen!

Mit freundlichen Grüßen

Kollektiv Leeranstalt

Nachbarschaftstreff

Planänderung…

Aufgrund des überdurchschnittlich starken Polizeiaufgebots am Gebäude wurde das Kuchenessen zum Osternburger Markt verlegt.

Mit freundlichen Grüßen

Kollektiv Leeranstalt

Liebe Bewohner_Innen der Ekkardstraße

Liebe Bewohner_Innen der Ekkardstraße

Wie sie vielleicht mitbekommen haben hat das Kollektiv Leeranstalt am Donnerstag Nachmittag versucht die leerstehende, ehemalige Grundschule in Ihrer Straße zu besetzen um einem selbstverwalteten Wohnraum zu erschaffen wo wir die uns zu Verfügung stehenden Ressourcen gemeinsam nutzen können. Unter anderem waren dort Aktionen wie Filmabende, kleinere Konzerte, Musikunterricht und gemeinsames Kochen geplant. Leider wurde dies durch den Einsatz der Polizei verhindert.

Wir möchten uns bei Ihnen für die verursachten Unannehmlichkeiten entschuldigen.
Dies war nicht das Ziel unserer Aktion.

Da wir dennoch hoffen das Gebäude nutzen zu können möchten wir alle Nachbarn zu einer kleinen Diskussionsrunde einladen. Diese soll am Sonntag den 22.04. um 15:30 Uhr vor der Grundschule stattfinden. Dort gibt es die Möglichkeit positive, wie auch negative Kritik zu äußern und selbst Vorschläge einzubringen. Wir würden uns freuen wenn wir Sie bei Kaffee und Kuchen kennenlernen können und Sie uns dort Ihre Wünsche und Vorstellungen mit dem leerstehenden Gebäude äußern.
Wenn Wohnungsnot ein Problem ist, dann ist Leerstand ein No-Go.

Kollektiv Leeeranstalt

Leere Häuser heißt volle Einkaufszentren!

Am heutigen Dienstag, den 10.04., fanden sich um 18:00 ca. 60 Personen am Lefferseck ein, um gegen die Räumung der Leeranstalt am vergangen Donnerstag und die allgemeine Wohnungsnot zu Demonstrieren. Die unangemeldete Demo zog mit lautstarker Unterstützung der Sambagruppe „Rhythms of Resistance“ von dort aus zum Rathaus. Dort hielt man inne um dem Redebeitrag des Besetzer_innenkollektives zu lauschen. Anschließend ging es frei nach dem Motto Leere Häuser heißt volle Einkauszentren durch das architektonisch eher zweifelhaft gestaltete ECE-Center…pardon die Schlosshöfe. Die demo endete schließlich um 19.30 beim Alhambra.

Hier der Redebeitrag des Kollektives:

Liebe Leute,

Am Donnerstag wurde die leer stehende Grundschule in der Ekkardtstraße besetzt vom Besetzer_innen-Kollektiv Leeranstalt. Entgegen unserer Hoffnungen wurde das Gebäude schon gegen 21:30 von Einheiten der Polizei unter tatkräftiger Amtshilfe der in Osternburg ansässigen Feuerwehr geräumt. Die sechs im Haus befindlichen Personen wurden, nach einem lustigem Versteckspiel, zur Bullenwache Friedhofsweg gebracht und warteten dann 2-3 Stunden in Einzelzellen auf die Erkennungsdienstliche Behandlung. Um 01:30 waren alle draußen.

Die Sachen und Gegenstände die wir ins Haus gebracht hatten, unter ihnen sind Dokumente,Schlüssel usw, sind und bleiben auf nicht absehbare Zeit in der Hand der Polizei. Bis zum heutigen Vormittag wurden wir im glauben gelassen unsere Sachen seien im Haus verblieben. Wir fordern die Polizei auf, uns diese auszuhändigen!

Wir wollen mit dem Projekt Leeranstalt primär einen unkommerziellen Wohnraum schaffen, in welchem Menschen selbstverwaltet miteinander leben und die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen gemeinsam nutzen können. Unser Ziel ist es einen Raum zu schaffen in dem jede und jeder so sein kann wie sie, er oder sier es möchte, in dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und Mensch die Bedürftnisse der Anderen respektiert. Das Projekt Leeranstalt soll jedoch nicht nur als Wohnraum dienen, sondern auch als Platz für ein alternatives Café ohne Konsumzwang haben, als auch Ort für Plenen usw. sein.

Die Grundschule, welche 1908 erbaut wurde, stand seit 2009 leer, ist noch in einem nutzbaren Zustand und beginnt langsam zu verfallen. Die in der obersten Etage befindliche ehemalige Hausmeisterwohnung ist in einem Bezugsfertigen Zustand, sie bietet Platz für etwa 3 Personen. Auch ist sie mit sanitären Einrichtungen und einer Küche ausgestattet. Die Etage darunter verfügt über 2 große sowie ein kleines Klassenzimmer, welche gut und gerne 4 weitere Personen beherbergen können. Die untere Etage soll als öffentlicher Raum für kleinere Veranstaltungen etc. dienen.

Da in Oldenburg bei einer Leerstandsqoute von unter 1 % durchaus von Wohnungsnot gesprochen werden kann, können wir nicht verstehen weshalb es der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge ist, wenn Menschen selbstständig neuen Wohnraum erschließen.
Es mangelt in dieser Stadt an bezahlbaren Unterkünften, 5000 Wohnungssuchende auf GSG-Wartelisten sind ein Zeichen! Doch statt dieser Wohnungsnot mit sozialem Wohnungsbau entgegen zu wirken wird lieber auf Immobilien als Spekulationsmasse gesetzt und Mensch verstrickt sich in solch Sargnagelprojekte wie das ECE-Center…Pardon die Schlosshöfe. Und als ob das noch nicht genug wäre, nein jetzt soll auch noch die Weser-Ems-Halle für 38mio.€ neu gebaut werden. Diese enorme Summe könnte genauso gut in den Bau von neuem Wohnraum, Schulen und in soziale. Projekten fließen.

Es kann nicht sein, dass bei der Wohnungsnot in Oldenburg solch gut erhaltene Gebäude leer stehen und grundsätzlich nutzbarer Wohnraum vor sich hin vergammelt. Dass es möglich ist alternativen Raum einzufordern und sich mit dieser Forderung auch durchzusetzen, ist spätestens seit dem Erfolg des Haus Friedensbruch klar. Dieses ist mittlerweile gesellschaftlich so sehr akzeptiert, dass es, nebst einiger Ausstellungen, Austragungsort einiger im Rahmen des Zwerkwerks gezeigter Kurzfilme war. Solche Projekte verschandeln nicht das Antlitz der Stadt. Im Gegenteil, sie bereichern es, und das wird langsam auch dem letzten Stadtratsmitglied klar.

Wir hoffen, dass die Bullen bei der Räumung nicht allzu aggressiv und wahllos waren und sich die Zerstörung in Grenzen hält.

Wenn Wohnungsnot ein Problem ist, dann ist Leerstand ein No-Go.

Mit freundlichen Grüßen

Kollektiv Leeranstalt


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