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Leere Häuser heißt volle Einkaufszentren!

Am heutigen Dienstag, den 10.04., fanden sich um 18:00 ca. 60 Personen am Lefferseck ein, um gegen die Räumung der Leeranstalt am vergangen Donnerstag und die allgemeine Wohnungsnot zu Demonstrieren. Die unangemeldete Demo zog mit lautstarker Unterstützung der Sambagruppe „Rhythms of Resistance“ von dort aus zum Rathaus. Dort hielt man inne um dem Redebeitrag des Besetzer_innenkollektives zu lauschen. Anschließend ging es frei nach dem Motto Leere Häuser heißt volle Einkauszentren durch das architektonisch eher zweifelhaft gestaltete ECE-Center…pardon die Schlosshöfe. Die demo endete schließlich um 19.30 beim Alhambra.

Hier der Redebeitrag des Kollektives:

Liebe Leute,

Am Donnerstag wurde die leer stehende Grundschule in der Ekkardtstraße besetzt vom Besetzer_innen-Kollektiv Leeranstalt. Entgegen unserer Hoffnungen wurde das Gebäude schon gegen 21:30 von Einheiten der Polizei unter tatkräftiger Amtshilfe der in Osternburg ansässigen Feuerwehr geräumt. Die sechs im Haus befindlichen Personen wurden, nach einem lustigem Versteckspiel, zur Bullenwache Friedhofsweg gebracht und warteten dann 2-3 Stunden in Einzelzellen auf die Erkennungsdienstliche Behandlung. Um 01:30 waren alle draußen.

Die Sachen und Gegenstände die wir ins Haus gebracht hatten, unter ihnen sind Dokumente,Schlüssel usw, sind und bleiben auf nicht absehbare Zeit in der Hand der Polizei. Bis zum heutigen Vormittag wurden wir im glauben gelassen unsere Sachen seien im Haus verblieben. Wir fordern die Polizei auf, uns diese auszuhändigen!

Wir wollen mit dem Projekt Leeranstalt primär einen unkommerziellen Wohnraum schaffen, in welchem Menschen selbstverwaltet miteinander leben und die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen gemeinsam nutzen können. Unser Ziel ist es einen Raum zu schaffen in dem jede und jeder so sein kann wie sie, er oder sier es möchte, in dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und Mensch die Bedürftnisse der Anderen respektiert. Das Projekt Leeranstalt soll jedoch nicht nur als Wohnraum dienen, sondern auch als Platz für ein alternatives Café ohne Konsumzwang haben, als auch Ort für Plenen usw. sein.

Die Grundschule, welche 1908 erbaut wurde, stand seit 2009 leer, ist noch in einem nutzbaren Zustand und beginnt langsam zu verfallen. Die in der obersten Etage befindliche ehemalige Hausmeisterwohnung ist in einem Bezugsfertigen Zustand, sie bietet Platz für etwa 3 Personen. Auch ist sie mit sanitären Einrichtungen und einer Küche ausgestattet. Die Etage darunter verfügt über 2 große sowie ein kleines Klassenzimmer, welche gut und gerne 4 weitere Personen beherbergen können. Die untere Etage soll als öffentlicher Raum für kleinere Veranstaltungen etc. dienen.

Da in Oldenburg bei einer Leerstandsqoute von unter 1 % durchaus von Wohnungsnot gesprochen werden kann, können wir nicht verstehen weshalb es der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge ist, wenn Menschen selbstständig neuen Wohnraum erschließen.
Es mangelt in dieser Stadt an bezahlbaren Unterkünften, 5000 Wohnungssuchende auf GSG-Wartelisten sind ein Zeichen! Doch statt dieser Wohnungsnot mit sozialem Wohnungsbau entgegen zu wirken wird lieber auf Immobilien als Spekulationsmasse gesetzt und Mensch verstrickt sich in solch Sargnagelprojekte wie das ECE-Center…Pardon die Schlosshöfe. Und als ob das noch nicht genug wäre, nein jetzt soll auch noch die Weser-Ems-Halle für 38mio.€ neu gebaut werden. Diese enorme Summe könnte genauso gut in den Bau von neuem Wohnraum, Schulen und in soziale. Projekten fließen.

Es kann nicht sein, dass bei der Wohnungsnot in Oldenburg solch gut erhaltene Gebäude leer stehen und grundsätzlich nutzbarer Wohnraum vor sich hin vergammelt. Dass es möglich ist alternativen Raum einzufordern und sich mit dieser Forderung auch durchzusetzen, ist spätestens seit dem Erfolg des Haus Friedensbruch klar. Dieses ist mittlerweile gesellschaftlich so sehr akzeptiert, dass es, nebst einiger Ausstellungen, Austragungsort einiger im Rahmen des Zwerkwerks gezeigter Kurzfilme war. Solche Projekte verschandeln nicht das Antlitz der Stadt. Im Gegenteil, sie bereichern es, und das wird langsam auch dem letzten Stadtratsmitglied klar.

Wir hoffen, dass die Bullen bei der Räumung nicht allzu aggressiv und wahllos waren und sich die Zerstörung in Grenzen hält.

Wenn Wohnungsnot ein Problem ist, dann ist Leerstand ein No-Go.

Mit freundlichen Grüßen

Kollektiv Leeranstalt


1 Antwort auf „Leere Häuser heißt volle Einkaufszentren!“


  1. 1 Sponti in OL: Leere Häuser heißt volle Einkaufszentren! « end of road Pingback am 11. April 2012 um 14:48 Uhr
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